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Das gilt auch für die planetaren Prinzipien; jedes
kann zwischen den Polen naiver Unreflektiertheit und höchster
Differenzierung gelebt werden.
Allein schon das Wissen um die Skala dieser Möglichkeiten
ist eine Hilfe, denn darin liegt die Entwicklungsfähigkeit
dieser Kräfte im Individuum; und zugleich wird die Art,
wie wir ein solches Prinzip erleben, als "feedback"
uns durch die Resonanz der Umwelt auf unser Verhalten erkennen
lassen, worin unser eigener Anteil an dem liegt, was uns scheinbar
nur "von außen" geschieht und begegnet; je
nachdem wie wir Venus, Mars, Saturn, usf. in uns selbst verwirklichen,
so konstellieren wir sie auch draußen.
Lebe ich etwa einen dominanten Neptun unreflektiert-unbewußt,
bin ich wie ein offenes System, das durch alle möglichen
Einflüsse chaotisch überfremdet wird; so werde ich
in verwirrende mitmenschliche Beziehungen geraten; oder, ich
habe unbestimmt Sehnsüchte und illusionäre Wünsche,
auf die das Leben auch keine klaren Antworten geben kann,
so daß ich immer wieder enttäuscht werde; mit zunehmender
Bewusstheit kann mir Neptun dagegen ein feines Instrument
für Einfühlung und psychologisches Verstehen werden,
mein Wahrnehmungsvermögen differenzieren und künstlerische
Begabungen vermitteln, usf.
In der Astrologie der Gegenwart und der Zukunft haben sich
sowohl die Astrologen und die Ratsuchenden von der Vorstellung
gelöst, Schicksale zu verkünden bzw. verkündet
zu bekommen; sie haben den Schritt vollzogen von abergläubischer
Wahrsagerei zur praktisch-beratenden Lebenshilfe, zur Vermittlung
bewusstseinserweiternder Selbsterkenntnis.
In der Psychotherapie erleben wir es oft, daß ein Patient
lieber ein körperliches Leiden als Schicksal akzeptiert,
als zu versuchen, die mögliche seelische Mitbedingtheit
seines Leidens zu verstehen, weil ihn das mit größerer
Selbstverantwortung und der Notwendigkeit, sich zu ändern,
belasten würde.
Ähnlich wollen viele Ratsuchende aus ihrem Horoskop
ihr "Schicksal" erfahren, das sie anzunehmen bereit
sind, als ob es festgelegt und nichts daran zu ändern
wäre - darin liegt aber der Sinn des Horoskopes nicht.
Auch bei den astrologischen Prognosen ist Abstand zu nehmen
von Deutungsrezepten, Ereignisprophezeiungen und festlegenden
Aussagen, die keinen Raum lassen für Eigenverantwortung
und Entscheidung.
Ich bin der Meinung, daß wir Lebenshilfen geben sollten,
anstatt Treffer anzustreben.
Das Bemühen um Treffer ist ein unnötiger Tribut
an eine "Wissenschaftlichkeit", die auf große
Zahlen angewiesen ist, ums sich als wissenschaftlich zu empfinden.
Prognosen haben ihre Berechtigung und ihren Sinn, wenn sie
in den Grenzen angewendet werden, die für sie gelten:
keine Aussagen, die den Beratenen zum Objekt machen, die ihn
nicht als handelndes, wollendes und entscheiden-könnendes
Subjekt ansprechen, sondern ihn entmündigen, in dem sie
ihm Wahl und Eigenverantwortung abnehmen. Dagegen kann die
Befragung des Horoskopes bei schwerwiegenden Entscheidungen,
drohenden Gefährdungen, fälligen Entwicklungsschritten
usf. eine echte Hilfe sein - man wird vergleichsweise kein
Gras mähen, wenn die Wetterprognose eine längere
Regenzeit voraussagt.
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